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Statement zum sektoralen Dekarbonisierungsansatz der Copper Mark
Hamburg | Dienstag, 5. Mai 2026
Kupfer ist ein essenzielles Metall für die globale Energiewende und unverzichtbar für erneuerbare Energietechnologien und Elektromobilität sowie die Stromnetzinfrastruktur. Angesichts eines erwarteten deutlichen Nachfrageanstiegs steht der Kupfersektor vor der doppelten Herausforderung: die Produktionskapazitäten auszubauen und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen (THG) im Einklang mit dem 1,5°C-Klimaziel zu senken.
Zur Entwicklung entsprechender Zielpfade haben The Copper Mark und das Rocky Mountain Institute in Zusammenarbeit mit Industriepartnern und weiteren Interessengruppen den Sektoralen Dekarbonisierungsansatz (Sectoral Decarbonization Approach, SDA) erarbeitet, der als Grundlage für die Treibhausgas-Zielsetzung von Kupferunternehmen dient.
Als überzeugte Unterstützer von The Copper Mark begrüßen wir diesen Schritt ausdrücklich.
Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass der kürzlich veröffentlichte SDA noch nicht alle Perspektiven berücksichtigt und auf Daten sowie Annahmen basiert, die bestimmten Einschränkungen unterliegen. Daher sollten Anwender diese Faktoren bei der Interpretation und Anwendung des Ansatzes entsprechend berücksichtigen.
Dank seiner technologischen Führungsposition bei der Metallausbeute und der Umsetzung integrierter Energie- und Stoffkreisläufe nimmt Aurubis eine Vorreiterrolle ein. Die gezielte Ausschöpfung von Synergien zwischen primären und sekundären Prozessen ist dabei ein zentrales Element. Vor diesem Hintergrund hat Aurubis seine Perspektiven zum Sectoral Decarbonization Approach (SDA) von The Copper Mark sowohl im gesamten Entwicklungsprozess als auch im Rahmen der öffentlichen Konsultation kontinuierlich eingebracht.
Gleichwohl besteht aus unserer Sicht Anpassungsbedarf, um sicherzustellen, dass der SDA die Realität der Kupferproduktion sowie die derzeitige Verfügbarkeit belastbarer Daten vollständig widerspiegelt.
Die folgenden Aspekte führen dazu, dass der SDA in seiner aktuellen Form für Aurubis nicht anwendbar ist:
- Fehlende oder falsch angesetzte Kennzahlen schränken die Glaubwürdigkeit ein: Der SDA sieht keine Emissionszuordnung zu Begleit- oder Nebenprodukten vor, während die Kunden-, regulatorische und LME-Berichterstattung eine solche Zuordnung gemäß LCA-Leitlinien erfordert. Diese methodische Abweichung reduziert die Verlässlichkeit der Kennzahlen.
- Fehlanreize und irreführende Dekarbonisierungssignale: Die Nichtberücksichtigung von Koppelprodukten benachteiligt Betreiber, die in integrierte Prozesse zur Rückgewinnung mehrerer Metalle investieren und Kupfer als Trägermaterial nutzen. Dies untergräbt die Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft und vermittelt ein unzutreffendes Bild dessen, was tatsächlich als CO2-arme Produktion gilt.
- Vereinfachte Produktionspfade ohne Realitätsbezug: Die Kategorisierung der Produktion in „100 % primär“ und „100 % recycelt“ steht im Widerspruch zu den Daten der International Copper Association (ICA) und vernachlässigt reale Unterschiede bei eingesetzten Rohstoffen, Schrottqualitäten, Verunreinigungen sowie Verarbeitungsprozessen.
- Unzutreffende Darstellung der Sekundärproduktion: Der SDA stellt die sekundäre Kupferproduktion stark vereinfacht dar, obwohl diese den Einsatz von Hochtemperaturbrennstoffen, Reduktionsmitteln sowie den Kohlenstoffgehalt komplexer Schrottströme umfasst.
- Benchmarking: Ungeachtet der Einstufung der SDA-Pfade als „illustrativ“ ist zu erwarten, dass sie von Kunden, Investoren und anderen Interessengruppen als verbindliche Benchmarks interpretiert werden – obwohl sie weder realistisch noch praktikabel sind.
Aurubis sieht den Bedarf an praxisnahen, wissenschaftlich fundierten Zielpfaden für den Kupfersektor. Das Unternehmen begrüßt die Möglichkeit, die Weiterentwicklung des SDA kontinuierlich zu begleiten und dabei die Perspektive eines Vorreiters in Aspekten der Nachhaltigkeit entlang der Kupferwertschöpfungskette einzubringen.
Als Teil der Copper-Mark-Initiative fördern wir weiterhin konsequent verantwortungsvolles Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Copper-Mark-Standard definiert Anforderungen an verantwortungsvolle und nachhaltige Geschäftspraktiken entlang der Wertschöpfungsketten von Nichteisenmetallen, mit Ausnahme von Edelmetallen.
Aurubis hat diese Anforderungen in das Standortmanagement integriert und lässt ihre Einhaltung regelmäßig durch unabhängige Audits überprüfen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse nutzen wir gezielt zur kontinuierlichen Weiterentwicklung, die wir über konkrete Maßnahmenpläne verfolgen. Alle unsere Produktionsstandorte erfüllen die Anforderungen des Standards oder befinden sich in der entsprechenden Implementierungsphase.