Umweltschutz am Standort Lünen

Der Standort Lünen ist das Recyclingzentrum der Aurubis AG.

Mit einer Produktionskapazität von ca. 250.000 t Kupferkathoden pro Jahr ist das Werk, das nur einen Kilometer vom Rathaus der Stadt Lünen entfernt liegt, eine der weltgrößten Sekundärkupferhütten.

In Lünen werden in den Schmelzaggregaten nahezu ausschließlich Recyclingrohstoffe eingesetzt. Hierzu zählen neben traditionellen Recyclingrohstoffen wie Altkupfer und Legierungsschrotten, Schlämmen und Industrierückständen in hohem Maße auch komplex zusammengesetzte Materialien, wie z.B. Aufbereitungsprodukte aus Elektroschrott, Altautos und Müllverbrennungsaschen.

Verbesserungen und Investitionen in den Umweltschutz haben auch in Lünen eine nach wie vor herausragende Bedeutung. Seit 2000 wurden rund 123 Mio. € in den Umweltschutz investiert. Dabei setzte zunächst das Kayser Recycling System (KRS) € , z. B. durch ein Haus-in-Haus-Konzept zur Absaugung von Emissionsschwerpunkten, neue Maßstäbe im Umweltschutz. Es folgten weitere Investitionen, insbesondere zur Verminderung diffuser Emissionen im Bereich der metallurgischen Anlagen sowie bei der Lagerung und dem Umschlag von Einsatzstoffen. Das mit den Behörden für den Zeitraum von 2005–2009 vereinbarte Emissionsminderungskonzept war z.B. zunächst auf ca. 10 Mio. € veranschlagt, wurde jedoch im Nachhinein durch weitere Maßnahmen mit einem zusätzlichen Investitionsaufwand von 25 Mio. € erweitert. 

Um den Wasserverbrauch zu verringern, wird eine Anlage zur Rückhaltung, Aufbereitung und Nutzung von Regenwasser mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 4,5 Mio. €. betrieben. Jedes Jahr können damit mehr als 100.000 m³ behandeltes Regenwasser für interne Zwecke verwendet und somit eingespart werden. Die Anlage wird fortlaufend verbessert.

Der effiziente Einsatz von Energie ist für Aurubis eine ökologische und ökonomische Verpflichtung. Innovative Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz sorgen am Standort Lünen für eine hocheffiziente und flexible Stromerzeugung. Wir erreichen dies zum Beispiel durch Nutzung der Abwärme, das heißt Umwandlung in elektrischen Strom und Nutzung der Restwärme. Dadurch erzielen wir am Recyclingstandort ein Höchstmaß der möglichen Energieverwertungsmöglichkeit. Die KWK-Anlage, eine zweistufige Dampfturbine, erzeugt bis zu 23 Mio. kWh Strom (entspricht etwa 14 % des Strombedarfs des Standorts oder dem durchschnittlichen Strombedarf von rund 6.500 Drei-Personen-Haushalten) und vermeidet gleichzeitig bis zu 14.000 t CO2 jährlich. Die Initiative Energieeffizienz der Deutschen Energie-Agentur hat das Projekt als vorbildlich eingestuft und im Jahr 2015 mit dem Label Best-Practice-Energieeffizienz ausgezeichnet.

Das Werksgelände in Lünen liegt nur wenige Kilometer von mehreren Naturschutzgebieten (Natura 2000) entfernt. Die Berücksichtigung und Förderung von Biodiversität ist daher von großer Bedeutung. Neben der Betrachtung von Auswirkungen auf die Biodiversität bei größeren Erweiterungsprojekten werden in kleineren Projekten und in der Nachbarschaft aktiv Maßnahmen zur Förderung und Erhaltung der Artenvielfalt getroffen. Hierzu gehören etwa die Begrünung von nicht genutzten Werksflächen oder die Einrichtung von Nistplätzen an Gebäuden und Kaminen.

Seit 1997 ist das Umweltmanagementsystem am Standort Lünen nach EMAS und ISO 14001 zertifiziert. Zusammen mit dem nach ISO 9001 zertifizierten Qualitätsmanagement bilden sie ein IMS (Integriertes Managementsystem), zu dem seit 2013 auch ein Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001 gehört. Die im Rahmen der Zertifizierung des Managementsystems durchgeführten externen Audits beinhalten eine Überprüfung der Umweltdaten, der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und der Wirksamkeit der operativen Prozesse. 

Detaillierte Umweltinformationen zum Standort Lünen finden Sie in der aktuellen Umwelterklärung.

Umweltschutz Lünen - Daten & Fakten
Staubemissionen

Die Staubemissionen pro erzeugter Tonne Kupfer konnten seit dem Jahr 2000 um rund 76 % reduziert werden.

Kupferemissionen

Die Kupferemissionen pro Tonne eingesetzten Materials konnten seit dem Jahr 2000 um rund 84% gesenkt werden.

Energieverbrauch

Spezifischer Energiebedarf [MWh/t Sekundärrohstoffeintrag]

Durch die Inbetriebnahme des neuen Badschmelzofens im Jahr 2002 und des TBRC (Top Blown Rotary Converter) im Jahr 2011 haben wir unsere Energieeffizienz deutlich steigern können. Die spezifische Energiekennzahl bezogen auf den Eintrag von Recyclingrohstoffen verdeutlicht ganz konkret die für den Standort Lünen gewählte Strategie des Multi-Metall-Recyclings. Bei mehr oder weniger unveränderter Kathoden-Kupferproduktion wird die Metallerzeugung aus einem hohen und steigenden Eintrag von komplexen und kupferarmen Recyclingrohstoffen generiert. Der durchschnittliche Kupferinhalt in den Rohstoffen sinkt, der Anteil an Begleitmetallen wie Zink, Zinn, Nickel, Gold und Silber steigt deutlich an. Die Trendumkehr im Jahr 2014 zeigt, dass die zunehmend komplex zusammengesetzten Rohstoffe energieintensiver in der Verarbeitung werden.

Maßnahmen & Projekte im Umweltschutz
Verbesserung der Luftemissionen

Nächste Schritte:

  • Prüfung der Emissionsauswirkungen nach Schließung der Halle Schmelzbetriebe und ggf. Schließung der KRS-Dachentlüftung

Status:

  • Maßnahmen werden gemeinsam mit den Behörden diskutiert und priorisiert.
    (Dachreiterschließung, Lagerhallen etc.)

Verbesserung der Geruchsimmissionen im Werksumfeld

Nächste Schritte:

  • Maßnahmen zur Verbesserung der Strömungsverhältnisse einzelner
    Produktionshallen sowie zusätzliche
    Lagerhallen im südlichen Werksbereich

Status:

  • Die Maßnahmen sind budgetiert und werden im Rahmen von anstehenden 
    Baumaßnahmen umgesetzt.

Optimierung der Brauchwasserströme

Nächste Schritte:

  • Separate Behandlung des Sanierungswassers

Status:

  • Derzeit laufen die Detailabstimmungen 
    mit den zuständigen Behörden

Steigerung der Energieeffizienz

Nächste Schritte:

  • Wärmeausnutzung und Wasserqualität der Anodenhüttenkreisläufe und der Laugerei werden zur Leistungssteigerung optimiert 

  • Steigerung der direkten Wärmenutzung aus Abhitze

  • Effizienzsteigerung KRS

Status:

  • Konzepte sind auch mit externer Unterstützung in der Erarbeitung. Projekte sind im Investitionsbudget berücksichtigt.

  • Umgesetzt: jährliche Einsparung von 32.000 MWh Erdgas und 6500 tCO2

  • Umgesetzt: jährliche Einsparung von 36.400 MWh Öl und 10.000 tCO2

Umstellung auf die Anforderungen nach Seveso-III-Richtlinie

Maßnahme:

  • Informationen der Öffentlichkeit

Status:

  • Die Dokumente sind im Internet zugänglich, die Besucher- und Fremdfirmeneinweisungen wurden überarbeitet. Eine allgemeine Richtlinie über die Verhaltensweisen und Bekleidungsvorschriften wurden für Mitarbeiter sowie externe Firmen/Besucher geregelt und sind Teil von Werkseinweisungen.

Verbesserte Organisation

Nächste Schritte:

  • Ergebnisverbesserungsprojekte und Projektorganisation 

Status:

  • Das System zur kontinuierlichen Verbesserung von Abläufen und Prozessen (AOS) wurde organisatorisch mit dem Integrierten Managementsystem zusammengeführt. 

Meilensteine im Umweltschutz am Standort Lünen
2019

Beginn der Modernisierung der Raffinationselektrolyse. Für die Erneuerung der Anlage in den kommenden vier Jahren investiert die Aurubis AG insgesamt 60 Mio. €. Die Arbeiten umfassen unter anderem den Abriss und Neubau der Elektrolysebecken. Durch die Effizienzverbesserung der Anlage wird sich die Kapazität um ca. 10% erhöhen. Während der Modernisierung in Teilabschnitten bleibt die Anlage mit einer 80-prozentigen Kapazität in Betrieb.

2015

Inbetriebnahme einer zweistufigen Dampfturbine (5,7 MWel) zur Nutzung von bis zu 300.000 t Prozessdampf zur internen Energiegewinnung und -nutzung.

2014

Umstellung der Mischkanalisation des Werkes in eine Trennkanalisation (betriebliche Abwässer, Sanitär- und Regenwasser) in Verbindung mit einer Regenwasserrückhaltung und -sammlung (RAN-Anlage, 9.000 m3 Rückhaltevolumen). Diese ermöglicht die Nutzung von gesammeltem Regenwasser als internes Brauchwasser für Kühlungsprozesse und so eine Einsparung von mehr als 100.000 m3  Wasserbezug aus der öffentlichen Versorgung.

2013

Komplette Schließung und Absaugung der Halle der Schmelzbetriebe. Durch diese Maßnahme sind seitdem die kompletten Schmelzprozesse des Werkes Lünen vom Badschmelzofen bis hin zum Anodenofen inkl. der Hallen für Transport und Chargierung vollständig abgesaugt. Emissionen des Standorts wurden hiermit weit über den Stand der Technik hinaus minimiert.

2011

Inbetriebnahme eines Konverterofens (TBRC) im Rahmen des Effizienzprojekts KRS+. Infolge dieser prozesstechnischen Verbesserung konnte der Standort Lünen seinen Durchsatz um mehr als 30% steigern, bei einem insgesamt gleichbleibenden Primär-Energieeinsatz für das Werk.

2011

Installation einer LKW-Reifenwaschanlage, die alle Lieferfahrzeuge vor Verlassen des Werkes durchfahren müssen, um den Staubaustrag des Werkes weiter zu minimieren.

2010

Errichtung eines Lärmschutzwalls an der Materialanlieferung im südlichen Werksbereich zur Verminderung der Schallimmissionen durch Lieferverkehr an den angrenzenden Nachbargrundstücken.

2002

Umsetzung des Kayser Recycling Systems (KRS) im Zuge der Anlagenmodernisierung des Werkes nach der Übernahme durch die Aurubis AG (damals Norddeutsche Affinerie AG). Inbetriebnahme eines hocheffizienten ISA-Badschmelzofens sowie eines Mischzinnofens mit modernster Filtertechnik als Ersatz für die alten Schachtöfen des Standorts.