Kupfermail Nr. 161 – 02. Juli 2018

Die Aurubis Kupfermail informiert Sie monatlich über die Entwicklungen am Kupfermarkt.

Im Fokus

Im Juni ist Bewegung in den Kupferpreis gekommen. Der kurzfristige Ausflug auf Werte über 7.200 US$ zeigt die Nervosität mancher Marktteilnehmer mit Blick auf mögliche Auswirkungen aus den laufenden Tarifgesprächen rund um die Escondida-Mine. Dem entgegen stehen weitere Tarifabschlüsse unter anderem für die Spence Mine und eine Reihe von Ankündigung rund um neue Kupferprojekte. In Kombination mit den aktuellen Hüttenstillständen in Indien und den Philippinen hat die aktuell gute Versorgungslage mit Kupferkonzentraten zuletzt wieder zu steigenden Spot TC/RCs geführt.


Konjunktur

Die Entwicklungen der laufenden Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China zeigen noch keine ausgeprägte Wirkung auf die globale Kunjunkturerwartungen. Auch wenn die Welthandelsorganisation (WTO) erste Anzeichen für eine Abkühlung der weltweiten Wirtschaftsdynamik sieht, bleibt sie dennoch bei ihrer bisherigen Wachstumsprognose. Demnach soll das weltweite Wirtschaftswachstum 2018 und 2019 um je 3,9 % zulegen. Für Deutschland reduzierte das Institut seine Annahmen und rechnet nun für 2018 mit einem Wachstumsplus von 1,9 % (bisher: 2,4 %) bzw. 1,7 % für 2019 (bisher: 1,9 %). Laut Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) deuten die Konjunkturfrühindikatoren weiterhin auf ein stabiles Wachstum in den Mitgliedsländern insgesamt hin. Dies gelte auch für die USA, Japan, Kanada und China. Für den Euroraum sieht die Organisation eine leichte Wachtumsabschwächung auf hohem Niveau.

Der US-Dollar zeigte sich im Verlauf des Juni zwischenzeitlich wieder stärker und lag zum Ende des Monats im Verhältnis zum Euro bei rund 1,16 US-Dollar.


Kupfer kompakt

Im Juni veröffentlichte die International Copper Study Group (ICSG), dass sie für das erste Quartal 2018 mit einem Überschuss von 143 tsd t für die weltweite Produktion von raffiniertem Kupfer rechne. Bei weiterhin guter Versorung mit Kuperkonzentraten durch die Minen war das rund 3%-ige Wachstum des Weltmarktes an raffiniertem Kupfer vornehmlich auf höhere Kapazitäten in China zurückzuführen.

Denn Chinas Nachfrage nach raffiniertem Kupfer ist ungebremst. Wie die Bank Macquarie berichtete, stiegen die Einfuhren von raffiniertem Kupfer (inkl. Semis) seit Jahresanfang im Vergleich zum Vorjahr um 17 % auf 2,1 Mio t. Auch die Importe für Kupferkonzentrate legten spürbar zu und lagen in den ersten fünf Monaten 2018 mit 7,8 Mio t um 4,5 % höher als im Vergleichszeitraum 2017. Die Bank geht davon aus, dass ein Teil der Steigerungen dazu genutzt wird, fehlende Mengen Kupferschrotte zu kompensieren, die durch die laufenden Einfuhrbeschränkungen ausbleiben.

Der konstanten Nachfrage steht eine gute Versorgungslage gegenüber: Chile hat im April seinen Kupferoutput erneut deutlich um 6,4 % gesteigert. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Cochilco mitteilte, lag dieser im April bei annähernd 450 tsd t. Von Januar bis April konnte Chile seine Produktion im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 15,6 % auf 1,86 Mio. t ausweiten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Vorjahreszahlen durch den Escondida-Streik in 2017 negativ beeinflusst waren.

Auch im Juni gab es wieder Nachrichten zu küntigen Minenprojekten und -erweiterungen:

Southern Copper plant seine Michiquillay Mine in Peru deutlich eher in Betrieb zu nehmen als bisher gedacht, wie Reuters berichtete. Das 2,5 Mrd US$-Projekt soll nun schon ab 2022 jährlich bis zu 225.000 t Kupfer produzieren. Bisher war man von einem Produktionsbeginn im Jahre 2025 ausgegangen. Die Mine hat eine Lebensdauer von mehr als 25 Jahren.

Laut Bloomberg hat Freeport McMoran eine wichtige Umweltgenehmigung der Regierung erhalten, die Produktion der Cerro Verde Mine in Peru um bis zu 20 % auszuweiten. Die Maßnahmen kombinieren sog. de-bottlenecking und weitere Optimierungen der bestehenden Assets. Dazu zählt unter anderem die Erweiterung der Konzentrierungsanlage.

Laut Metal Bulletin plant der chinesische Produzent Aluminum Corp of China (Chinalco) die jährliche Kapazität seiner Toromocho Mine um bis zu 45 % im Jahr 2020 auszubauen. Hierfür will Chinalco rund 1,3 Mrd US$ investieren.

        

•  Preisentwicklung

Im Juni war der LME Kupferpreis (Cash-Settlement) von hoher Volatilität geprägt. Nachdem der Preis zu Beginn des Monats noch bei rund 6.800 US$ lag, stieg er bis Mitte Juni auf Werte von über 7.200 US$ bevor er zum Monatsende wieder auf dem Niveau vom Monatsanfang fiel. Damit notierte der Kupferpreis zwischenzeitlich auf dem höchsten Niveau der letzten vier Jahre. Laut Reuters war der starke Preisanstieg insbesondere auf die Nervosität einiger Marktteilnehmer bezüglich eines drohenden Streiks der Escondida Mine zurückzuführen.

• Kupferrohstoffe

Im Juni war die Versorungslage der Hüttenindustrie mit Kupferkonzentraten weiterhin sehr gut. Der anhaltende Stillstand der Tuticorin-Hütte und die davon betroffenen Konzentratlieferungen wirkten sich postiv auf die frei verfügbaren Mengen aus.

Nach Angaben von S&P Platts haben sich die Spotpreise für die Verarbeitung von Kupferkonzentraten (Treatment and Refining Charges) für chinesiche Hütten spürbar erholt. Sie sollen zuletzt zwischen US$ 81-87/t bzw.
8,1-8,7 cts/lb gelegen haben. Einige Abschlüsse sollen sogar bei einem Niveau von US$ 88/t bzw. 8,8 cts/lb getätigt worden sein. Zum Vergleich: Im April lagen die Abschlüsse zu Spotpreisen noch bei rund US$ 70 /t bzw. 7,0 cts/lb. Ein wesentlicher Grund für den spürbaren Preisanstieg sollen laut S&P Platts hohe frei verfügbare Konzentratmengen und eine geringe Kaufaktivität auf Hüttenseite gewesen sein.

Laut Metal Bulletin hat das China Smelters Purchase Team für das dritte Quartal 2018 erstmals seit über 15 Jahren keinen „Buying floor“ festgesetzt. Es sieht aber – nach Angaben des Nachrichtendienstes – aktuell TC-Werte von über US$ 90/t am Markt. Das CSPT hatte sich für das zweite Quartal 2018 auf einen Buying floor von US$ 78/t bzw. 7,8 cts/lb geeinigt.

Für BHP Billitons chilenische Spence Mine hat man sich frühzeitig auf einen neuen dreijährigen Tarifvertrag geeinigt, wie bei Reuters zu lesen war. Die Gewerkschaft akzeptierte das kombinierte Angebot des Unternehmens aus einer Einmalzahlung von rund 22 tsd US$ und einer Lohnsteigerung von 2 %. Die Spence Mine produziert jählich knapp 200 kt Kupfer.

Gespannt verfolgen viele Marktteilnehmer die Lohnverhandlungen rund um die Escondida Mine, die seit Anfang Juni laufen. Die größte Gewerkschaft „Union No 1“ fordert laut CRU neben einer Einmalzahlung in Höhe von 34 tsd US$ eine laufende Gehaltssteigerung von 5 %.

Die Pläne von Codelco, seine open-pit Mine Chuquicamata in eine Untertagebau-Mine weiterzuentwickeln, stoßen bei vier der sechs Gewerkschaften auf Widerstand, wie Reuters berichtete. Der Untertagebau würde höchstwahrscheinlich mit einem Abbau der Mitarbeiter einhergegehen. Chuquicamata ist Codelcos zweitgrößtes Kupfervorkommen gemessen am Output und produzierte 2017 rund 330 tsd t Kupfer.

                       

• Produktion

Der aktuelle Stillstand von Vedantas Tuticorin Smelter mit einer jährlichen Produktionskapazität von 400 tsd t
beginnt sich auf die weiterverarbeitende Industrie auszuwirken. Wie Reuters berichtete müssen indische Hersteller von Elektronikartikeln verstärkt Kupfer aus dem Ausland beziehen. Da dies in der Regel zu höheren Preisen geschehe, könnte es zu einer generellen Verteuerung von einer Reihe von Elektronikprodukten in Indien führen.
Indien konsumiert jährlich rund 1,5 Mio. t an raffiniertem Kupfer. Die Hälfte davon wird von den zwei im Inland
tätigen Kupferproduzenten Vedanta Ltd. und Hindalco Industries hergestellt. Ein Marktteilnehmer erwartet laut Reuters zusätzliche Kupferimporte zwischen 200-250 tsd. t in diesem Jahr.

Wie Macquarie berichtete hat die chinesische Regierung im Juni eine neue Inspektionsrunde der chinesischen
Hüttenindustrie begonnen. Die Behörden überprüfen dabei, ob die Hütten die bestehenden Umweltstandards in China einhalten. Als Folge daraus soll es zu Produktionskürzungen (Blister) in der Jiangxi-Provinz gekommen sein.

Zu einem Hüttenstillstand kam es darüber hinaus in der chinesischen Henan Provinz. Ein 110 tsd t-Aggregat von Yuguang Gold & Lead musste aufgrund von Problemen an der Sauerstoffanlage seine Produktion aussetzen, wie Metal Bulletin berichtete. Während des 40-tägigen Reperaturstillstands wird die Hütte Blister und Anoden zukaufen müssen, um seine Elektrolyse versorgen zu können.  

 

• Bestände

Die Bestände in den weltweiten Lagerhäusern nahmen im Juni leicht ab, blieben aber insgesamt auf einem hohen Niveau. Im Zolllager Shanghai sollen sich Ende Juni um die 500.000 t befunden haben.


• Produktmärkte

Die Autoindustrie ist ein wesentlicher Abnehmer für Kupferprodukte:

Im Mai verharrten die Neuzulassungen von PKWs in der EU im Vergleich zum Vormonat auf dem aktuell guten
Niveau, wie der European Automobile Manufacturers' Association berichtete. Im Vergleich zum April stiegen die Zulassungen um 0,6 % auf 1,44 Mio. Fahrzeuge. Getragen wurde das leichte Wachstum insbesondere von Ländern wie Spanien und Großbritannien, wo die Neuzulassungen um 7,2 bzw 3,4 % zulegten. Stärker entwickelte sich laut Herstellervereinigung CAAM der chinesische Automarkt. Hier wuchsen die Neuzulassungszahlen im Mai um fast 10 % im Vergleich zum Vormonat. Neben dem Absatz von konventionellen Fahrzeugen, erhöhten sich
zudem die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen. Im Mai lagen diese bei rund 102 tsd Fahzeugen was einem Marktanteil von 4,5 % entspricht. Bis 2020 plant die chinesische Regierung rund 2 Mio. E-Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

Passend dazu kommt eine akteulle Studie des deutsch-chinesischen Forschungsteam unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zu dem Ergebnis, dass sich Chinas Pro-Kopfverbrauch an raffiniertem Kupfer seit 1990 verachtfacht hat. Konkret erhöhte sich Chinas Pro-Kopf-Kupferbestand von ca. sieben Kilogramm im Jahr 1990 auf fast 60 Kilogramm im Jahr 2015. Gleichzeitig sind die Kupferimporte von rund 0,65 Mio t/a auf knapp 10 Mio. t/a gestiegen. Mit rund 1,4 Mio. t besteht ein großer Teil der chinesischen Kupfer-einfuhren aus Schrott. Die Kupferausfuhren umfassen dagegen insbesondere Zwischengüter und -produkte.

Ihr Ansprechpartner

Christoph Tesch

Senior Manager Investor Relations Tel: +49 40 7883-2178 Fax: +49 40 7883-3130
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