Kupfermail Nr. 156 – 31. Januar 2018

Die Aurubis Kupfermail informiert Sie monatlich über die Entwicklungen am Kupfermarkt.

Im Fokus

Das Jahr 2018 begann stürmisch. Aus meterologischer Sicht hielt „Friederike“, das stärkste Sturmtief seit elf Jahren, weite Teile Deutschlands in Atem. Auch am internationalen Kupfermarkt kam es zu der einen oder anderen Turbulenz. Bei Kupferhütten waren weltweit Produktionsstörungen zu verzeichnen, China verschärfte die Bedingungen für die Einfuhr von Kupferschrott mit weitreichenden Wirkungen und eine größere Mengeneinlagerung in die Lagerhäuser der LME sorgte kurzzeitig für einen deutlichen Kursrückgang. Abseits dieser Ereignisse blieb der physische Markt für Kupferkathoden ruhig. In China war die Nachfrage vor dem dort Mitte Februar stattfindenen Neujahrsfest verhalten und auch am europäischen Markt zeigten sich nur geringe Kaufaktivitäten.


Konjunktur

Der IWF hat im Januar seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum 2018 und 2019 gegenüber Oktober 2017 um jeweils 0,2 Prozentpunkte nach oben revidiert. Danach soll es in beiden Jahren 3,9 % betragen. Ausschlaggebend für die Veränderung waren die erwarteten Auswirkungen der US-Steuerreform und eine stärkere Erholung in Asien. Zu den bedeutendsten Risiken zählt der IWF protektionistische Ten-denzen und eine mögliche Korrektur an den Finanzmärkten.

Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde soll Chinas Wirtschaft 2017 um 6,9 % gewachsen sein und hat damit zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder einen höheren Anstieg als im Vorjahr (2016: 6,7 %) erreicht. Im vierten Quartal 2017 betrug das Wachstum 6,8 % gegenüber dem Vorjahreswert. In der neuen IWF-Prognose wird für 2018 ein Plus von 6,6 % erwartet.

Der Eurozone wird 2018 eine Erholung um 2,2 % zugetraut, die um 0,3 Prozentpunkte über der Prognose von Oktober 2017 liegt. Das Verbrauchervertrauen in der Eurozone ist zum Jahresbeginn 2018 höher als erwartet (plus 0,6) ausgefallen. Der von der EU-Kommission erhobene Indikator stieg um 0,8 auf plus 1,3 Punkte.

In Deutschland gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass das Wirtschaftswachstum 2018 trotz der langwierigen Regierungsbildung kräftig ausfallen wird. Laut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) überwiegt für das erste Halbjahr der Optimismus. Im Gesamtjahr könnte es zu einem Wachstum von 2,3 % kommen. Dies ist auch der Wert der vom IWF prognostiziert wird.

Im Wechselkursverhältnis von Euro zu US$ notierte der Euro zuletzt mit 1,24 US-Dollar.  


Kupfer kompakt

Chiles Kupferkommission Cochilco hat Mitte Januar ihre Schätzung des durchschnittlichen Kupferpreises 2018 aktualisiert. Danach könnte dieser jetzt bei rund 6.750 US$/t liegen (bisher: rund 6.500 US$/t). Als Grund für die Anhebung der Prognose werden die anstehenden Tarifverhandlungen in Chile und Peru sowie die verschärfte Umweltpolitik in China angeführt. Ende Januar notierte Kupfer mit etwa 7.100 US$/t. Cochilco hält 2018 ein Defizit am Weltkupfermarkt von 175.000 t raffinierten Kupfers, nach 67.000 t in 2017, für möglich. Für den Zeitraum Januar bis Oktober 2017 veröffentlichte die ICSG jetzt ihre Zahlen, nach denen das Defizit in dieser Periode 175.000 t betrug. Es fällt aber auf, dass der Oktober nur noch ein ausgeglichenes Produktions-/Nachfrage-Verhältnis aufwies.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters überlegt die Regierung in Peru aktuell die Schienenverbindung zwischen der kupferreichen Anden-Region und der Pazifikküste auszubauen. Das Projekt zum Transport von
Kupfer auf der rund 600 KM langen Strecke könnte ein Budget von 2,4 Mrd. US$ umfassen und insbesondere die Las Bambas-Mine besser anschließen.

Bei Turquoise Hill’s Oyu Tolgoi Kupfer- und Gold-Mine in der Mongolei kam es am 8. Januar zu Protesten von Spediteuren, die die Hauptzufahrt zur Mine versperrten und damit die Konzentratlieferungen von der Mongolei nach China unmöglich machten, wie Bloomberg berichtet. Davon unberührt soll allerdings die Minenproduktion an Kupferkonzentraten normal weitergelaufen sein. 

Um die Luftqualität in China in den Wintermonaten zu verbessern, hat die Regierung die Energieversorger angewiesen kurzfristig von Kohle auf Gas umzustellen. Zudem soll der Wohnungssektor mit Vorzug vor dem Industriesektor behandelt werden. Dies führt unter anderem zu einer Verknappung des Energieträgers bei Kupferdrahtherstellern zu Beginn des Jahres, welche Gas als Hauptenergiequelle nutzen. Das Metal Bulletin berichtet von möglichen Produktionskürzungen als Folge dieser Entwicklung.

        

•  Preisentwicklung

Im Januar konnte sich der Kupferpreis weitgehend oberhalb von 7.000 US$/t halten. Mit 7.202,50 US$/t wurde bereits am 4. Januar der höchste Wert des Monats erreicht. Danach kam es zu einer Abschwächung mit Notierungen um 7.050 US$/t. Infolge eines größeren Anstiegs der LME-Kupferbestände (siehe Bestände) wurde am 23. Januar die Marke von 7.000 US$/t unterschritten und ein Settlement-Kurs von 6.905 US$/t registriert. Dies war jedoch nur ein kurzzeitiger Rückschlag. In den Tagen danach erholte sich der Kupferpreis wieder auf über 7.100 US$/t. 

• Kupferrohstoffe

Nach dem Bekanntwerden des Referenzabschlusses für Kupferkonzentratlieferungen 2018 in Höhe von 82,25 US$/t und 8,225 cts/lb (Vj: 92,5 US$/t / 9,25 cts/lb), der zwischen der chinesischen Hütte Tongling und dem Minenunternehmen Freeport McMoran erfolgte, war es interessant zu sehen, ob sich dieses Niveau auch am
Januar-Spot-Markt etablieren würde. Dies war nicht ganz der Fall. Verschiedene Faktoren, wie streikfreie zügige Tarifverhandlungen (siehe unten) auf der Minenseite und Produktionsstörungen auf der Hüttenseite (siehe Produktion) haben die Spot-Bedingungen, nach Angaben von Metal Bulletin, angehoben. Es sollen vermehrt frei gewordene Mengen am Markt verfügbar sein. Die Nachfrage von Händlern und Hütten wird dabei als gut geschildert.

Neuigkeiten gab es Anfang Januar zu den Tarifverhandlungen der Lomas Bayas-Mine zu berichten: Laut Reuters einigten sich Glencore und die Gewerkschaft frühzeitig auf einen neuen Tarifvertrag für die chilenische Mine und kamen damit einem Streik zuvor. Auch Antofagasta hatte bereits Ende Dezember für seine Centinela-Mine einen neuen Tarifabschluss erzielt. Ende Januar konnte man dann auf Reuters lesen, dass zudem Codelco für seine Andina-Mine frühzeitig einen neuen Tarifvertrag für die nächsten drei Jahre verhandelt hat.

Nach der erweiterten Liefervereinbarung bis Juni dieses Jahres, gingen auch im Januar die Verhandlungen zwischen Freeport McMoran und der indonesischen Regierung, um die Rechte an der Grasberg-Mine, weiter. Mit Blick auf die Konzentratverfügbarkeit, kann dies als positives Zeichen gewertet werden. Ende 2017 hatten Regierungsvertreter mit dem staatlichen Unternehmen PT Indonesia Asahan Aluminium (Inalum) eine Vereinbarung unterzeichnet, welche als Grundlage für die Übertragung der Anteile von Freeport McMoran auf die lokale Gesellschaft dienen soll. Nichtsdestotrotz gehen die Verhandlungen um die Aufstockung der Anteile der lokalen Gesellschaft auf 51 % an der Grasberg-Mine (inkl. dem Anteil von Rio Tinto) weiter. Beide Parteien haben das Ziel, die Gespräche noch im ersten Halbjahr 2018 zu einem Abschluss zu bringen.

Am internationalen Markt für Altkupfer steht aktuell China im Fokus der Aufmerksamkeit. Im Zuge der Bestrebungen insbesondere die Luftemissionen zu verringern, hat die chinesische Regierung das Tempo deutlich erhöht: Neben dem vieldiskutierten Bann für sogenannten „Scrap No. 7“, also Schrotte mit hohem Kunststoffanteil und einem geringen Kupferinhalt von unter 40 %, soll ab 1. März 2018 auch der importierende Handel als Zwischenstufe ausgeschaltet werden. Importlizenzen für saubere Schrottsorten werden danach, so heißt es, nur noch in Kontingenten an Weiterverarbeitungsbetriebe erteilt. Zudem soll als weitere Verschärfung, der Import von Standard-Altkupfer nur noch mit Verunreinigungen von lediglich bis zu einem Prozent erlaubt sein. Dies erscheint derzeit kaum erreichbar. Was wären mögliche Konsequenzen? Die Marktteilnehmer könnten sich nach regionalen Alternativen zur Aufbereitung des Altkupfers in chinanahen Ländern umsehen bzw. müssten technisch aufrüsten. Nach Berichten von Metal Bulletin rechnen Vertreter der chinesischen Hütte Jiangxi Copper mit möglichen 500.000 t an Altkupfer die der chinesischen Kupferwirtschaft dadurch fehlen könnten, was rund 45 % der Einfuhren an Altkupfer in die Volksrepublik entspräche. Das Ausmaß und die Auswirkungen der hier geschilderten Entwicklungen sind derzeit noch schwer zu prognostizieren, haben aber das Potenzial zu strukturellen Veränderungen am internationalen Altkupfermarkt. Für europäische Schrottverarbeiter könnte hieraus z. B. das Nordamerikageschäft interessanter werden. Insgesamt würde sich für sie die Mengenverfügbarkeit bestimmter Alt-Kupferqualitäten, insbesondere Granulate, am Markt erhöhen. Im Januar ist das Angebot am europäischen Markt für Altkupfer weiterhin hoch gewesen. Hierzu haben vor allem die gestiegenen Kupferpreise beigetragen sowie die gute Versorgungslage der Schrottverarbeiter, die keinen akuten Einkaufsbedarf entstehen ließen.  

                       

• Produktion

Die globale Produktion von raffiniertem Kupfer liefert derzeit ein geteiltes Bild. Chinas Erzeugung erreichte laut nationalem Statistikbüro im Dezember 2017 ein Allzeit-Hoch von 865.000 t und kommt damit auf eine Jahresproduktion von 8,80 Mio. t (plus 7,7 %). Dabei gilt es zu bedenken, dass im vierten Quartal üblicherweise besondere Anstrengungen unternommen werden, um die Jahresziele zu erreichen. Auch dürften der hohe Kupferpreis und geringer als erwartet ausgefallene Wartungsstillstände dazu beigetragen haben. Für 2018 erwartet das chinesische Research-Institut Antaike einen Kapazitätsanstieg in China von 300.000 bis 400.000 t. Andererseits war zuletzt aber auch immer wieder von einzelnen Produktionsstörungen bzw. -einschränkungen bei internationalen Kupferhütten zu lesen, die auch ihre Wirkung am Spotmarkt für Konzentrate entfalten (siehe Rohstoffe).  

Wie Reuters berichtet, geht KGHM aktuell davon aus, dass seine Hütte in Glogow im Jahr 2018 nicht die volle Kapazität erreichen wird. In diesem Zusammenhang ist für die neuere der zwei Anlagen am Standort im zweiten Quartal ein dreimonatiger Stillstand geplant. Glogow II hat eine Kapazität von 235.000 t an raffiniertem Kupfer pro Jahr. Nach Angaben von Metal Bulletin stand im Januar auch Glencore’s Pasar Smelter in Indonesien still. Als Grund wurden technische Schwierigkeiten angeführt. Durch den Stillstand des 330.000 t-Aggregats sollen bereits mehrere Konzentratladungen umgeleitet worden sein. Mit reduzierter Leistung operierte im Januar auch Birlas Kupferhütte Dahej in Indien. Nähere Angaben zu den Gründen sind bisher nicht in den Markt gelangt. In Chile gab es zwei Vorfälle: Von Mitte Dezember bis zum 8. Januar stand Enamis Kupferhütte Paipote still. Nach Unterzeichnung einer neuen Tarifvereinbarung soll die Hütte nach Angaben von CRU im Januar wieder in Betrieb gegangen sein. Bei Codelcos Potrerillos-Smelter kam es zu einer technischen Störung, die Elektrolyse soll aber nicht betroffen sein.

 

• Bestände

Zwischen dem Weihnachts- und dem Neujahrsfest der westlichen Welt und den Neujahrsfeierlichkeiten Chinas – Mitte Februar – sind zwar besondere Bestandsentwicklungen möglich, der Anstieg der LME-Bestände um 65.000 t auf rund 277.000 t innerhalb von zwei Tagen kam dann doch überraschend. Ein Großteil der Einlagerungen erfolgte im südkoreanischen Lager Busan, aber auch in Singapur und Malaysia waren Zugänge zu verzeichnen. Einlagerungen dieser Höhe in so kurzer Zeit erinnern an gleiche Aktionen im letzten Jahr. Es muss deshalb erst mal abgewartet werden, ob dies erneut lediglich ein Zwischenspiel ist oder ob sich der Mengenaufbau als nachhaltig erweist. Zur Auslagerung angemeldet sind derzeit nur rund 52.000 t. Auch bei der SHFE erhöhten sich die Kupferbestände. Sie lagen nach einem Anstieg um 26.000 t zuletzt bei etwa 176.000 t. Im Zolllager Shanghai sollen sich Mitte Januar um die 470.000 t befunden haben. Die bei der Comex eingelagerten Mengen zeigten kaum Veränderungen und bewegten sich zwischen 191.000 t und 194.000 t.


• Produktmärkte

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz der Verbände der deutschen Bauindustrie und des Baugewerbes zum Jahresauftakt 2018 zeigten sich die Vertreter zuversichtlich. Das Umsatzwachstum soll wie im Vorjahr nominal um ca. 4 % auf gut 117 Mrd. Euro steigen. Für den Wirtschaftsbau und den öffentlichen Bau erwartet man ein Umsatzplus von rund 4 %, der Wohnungsbau soll um 3,5 % zulegen.

Auch der deutsche Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) startet mit Optimismus ins neue Jahr. Nachdem 2017 mit Umsatz- und Exportrekorden abgeschlossen wurde, wird für 2018 ein weiterer Anstieg der preisbereinigten Produktion um rund 3 % erwartet. Von Januar bis November 2017 hatte der Anstieg bei 4,6 % gegenüber dem Vorjahr gelegen. Besonders stark zeigten sich dabei die Exporte mit einem Plus von 10,1 %.

Ihr Ansprechpartner

Dieter Birkholz

Senior Manager Investor Relations Tel: +49 40 7883-3969 Fax: +49 40 7883-3130