Kupfermail Nr. 108

23. April 2013

 

Editorial

Es sind schon ziemliche Irritationen, die das Geschehen am Kupfermarkt seit dem 15. 04. unter Beobachtern hervorgerufen hat und immer noch hervorruft. Der Rückgang der Kupferpreise an der LME auf Tiefstände von zuletzt unter 6.900 US$/t traf die Rückkehrer vom CESCO-Meeting in Chile, dem Frühjahrstreffen der Kupferbranche, völlig überraschend. Mit einem derartigen Kursrückgang von fast 9 % innerhalb so kurzer Zeit hatte niemand gerechnet. Was also war der Anlass für die plötzliche Schwäche?

Kupfermarkt

Begonnen hatte es am Freitag, den 12. 04. am Goldmarkt. Der Goldpreis brach innerhalb von zwei Tagen um 15 % ein. Als auslösender Funke gelten Goldverkäufe der Notenbank Zyperns. Letztlich waren es aber keine physischen Folgeverkäufe, die den Preisrückgang verstärkten, sondern das Futures-Geschäft mit Optionen, Zertifikaten und Exchange Traded Funds. Vor allem chartorientierte Investoren müssen auf der Verkaufsseite gestanden haben, denn an den fundamentalen Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert. Von Gold sprang der Funke auf den gesamten Rohstoffsektor und die Aktienmärkte über. Auch bei Kupfer wurden in der Abwärtsbewegung Chartpunkte erreicht, die computergestützte Verkaufsorder auslösten. Bei diesem sogenannten Algo-Trading (Algorithmic-Trading) laufen innerhalb von Sekundenbruchteilen automatisch Kauf- oder Verkaufsaktionen an, wenn bestimmte Preise erreicht werden. Oft werden dann Erklärungen aus dem Marktumfeld nachgeschoben, die die Vorgänge erläutern sollen. So waren es bei Kupfer wieder einmal Konjunktursorgen, die diesmal vor allem an der Veröffentlichung des chinesischen Wirtschaftswachstums im ersten Quartal 2013 festgemacht wurden. Dieses hat sich von 7,9 % im Vorquartal auf 7,7 % reduziert. Das ist beileibe kein Einbruch und dennoch titelte das deutsche Handelsblatt wenige Tage später „China vor dem Crash?“.

Natürlich muss die Schuldensituation Chinas durchaus kritisch gesehen werden, aber am chinesischen Kupfermarkt ist dies derzeit nicht von Relevanz. Die dortige Kathodennachfrage hat spürbar angezogen und ist durch den Preisrückgang noch verstärkt worden. Wie Reuters berichtet, sollen chinesische Käufer bereits Kathodenprämien von 115 bis 135 US$/t über LME-Kassa für Mengen im Zolllager Shanghai bezahlt haben. Da die Bedarfsdeckung aus asiatischen LME-Lagerhäusern, z. B. in Südkorea, noch höhere Prämienzahlungen erfordert, sinken derzeit vor allem die Bestände in den chinesischen Zolllagern. Wurden sie Ende Februar noch etwas über 900.000 t gesehen, fielen sie bis Mitte März auf rund 850.000 t und sollen heute in Shanghai unter 600.000 t liegen. Gleichzeitig nehmen die bei der Shanghai Future Exchange eingelagerten Kupfermengen ab, um 24.000 t im April auf aktuell 223.663 t. Weiterverarbeiter in China verfügen kaum über eigene Bestände und müssen bei einer Geschäftsbelebung Kathoden eindecken: Rund 85 % der chinesischen Kabelproduzenten bezeichnen die März-Order als erhöht und haben entsprechenden Kupferbedarf.

Auch die Entwicklungen auf der Produktionsseite sprechen eher für höhere Kupferpreise. In Indien wurde Ende März aus Umweltgründen die Kupferproduktion in der Tuticorin-Hütte stillgelegt, zunächst bis Ende April 2013 (Jahresproduktion 300.000 t). In Nordamerika hat ein Erdrutsch in der Bingham Canyon-Mine dafür gesorgt, dass 2013 im nachgelagerten Hütten/Raffineriekomplex voraussichtlich 100.000 t raffiniertes Kupfer weniger produziert werden. Zudem sind weltweit umfangreiche Wartungsstillstände bei Kupferschmelzen geplant, die ebenfalls einen Mengenausfall mit sich bringen. Insgesamt dürfte also der für dieses Jahr erwartete globale Marktüberschuss für raffiniertes Kupfer deutlich geringer ausfallen als erwartet. Nachhaltig niedrige Kupferpreise sind damit eher unwahrscheinlich.

Kupferrohstoffe und Kupferprodukte

Am freien Spotmarkt für Konzentrate sind die Auswirkungen aus dem Erdrutsch in der Bingham-Mine limitiert, da diese zur Versorgung der eigenen Hütte diente. Die Schließung des indischen Smelters hat zusätzliche Mengen für den Markt frei gemacht. Die kommenden Wartungsstillstände bei Hütten werden zudem den Konzentratbedarf sinken lassen. Die Verfügbarkeit ist damit weiterhin gut. Anders der europäische Altkupfermarkt. Die Verkaufsbereitschaft des Handels ist hier im Zuge des aktuellen Preisrückgangs für Kupfer gesunken, die Mengenverfügbarkeit am Spotmarkt dem entsprechend niedriger. An den Produktmärkten entwickelte sich die Nachfrage in Nordeuropa nach dem langen Winter positiv und besser als im Süden Europas. Die Erwartungen sind inzwischen in vielen Absatzbereichen etwas optimistischer als noch zum Jahresbeginn.




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